Umstrittener neuer Bildungsplan

Stuttgart / Rottenburg / Karlsruhe / Freiburg. Die umstrittenen „Leitprinzipien“ für den Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg stoßen bei den christlichen Kirchen auf Kritik. Die Bildungs-, Schul- und Hochschulreferenten der evangelischen Landeskirchen und der katholischen Kirche in Baden-Württemberg sind mit dem Kultusministerium, dem Landesinstitut für Schulentwicklung und den politisch Verantwortlichen im Gespräch. In gemeinsamen Beratungen soll eine verantwortbare Lösung gefunden werden. Gemeinsam erklären sie:

Die Kirchen treten ein für in den „Leitprinzipen“ genannte Themen wie Prävention vor Gewalt und Diskriminierung, Berufsorientierung, Nachhaltigkeit oder Gesundheit. Zugleich machen sie deutlich, dass „Leitprinzipien“ für einen Bildungsplan auf der Grundlage des Menschenbildes zu entwickeln sind, das der Landesverfassung und den Schulgesetzen zugrunde liegt: Jeder Form der Funktionalisierung, Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination gilt es zu wehren. Dies gilt nicht zuletzt im sensiblen Bereich der sexuellen Identität und damit verbundener persönlicher und familiärer Lebensentwürfe.
Was in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft kontrovers ist, muss nach Überzeugung der Kirchen auch in Bildungsprozessen kontrovers dargestellt werden: Die evangelischen Landeskirchen und die katholische Kirche in Baden-Württemberg treten für Weltoffenheit, Toleranz sowie Respekt vor jedem Menschen und seiner unantastbaren Würde ein. Insbesondere sehen sie in den Menschenrechten und der Menschenrechtsbildung einen geeigneten Bezugsrahmen, um mit der Vielfalt in Schule und Gesellschaft umzugehen und die Entfaltung der Persönlichkeit sowie die verantwortliche Inanspruchnahme ihrer Freiheitsrechte zu fördern. In diesem Zusammenhang kommt der religiös-ethischen Bildung und Erziehung, die zur Wertschätzung von Vielfalt mit dazugehört, als Orientierungshilfe für den Einzelnen und als Dienst an der Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu: Damit treten wir für eine Bildung ein, die Kinder und Jugendliche stark macht, eine eigene Identität auszubilden und ihre Gemeinschaftsfähigkeit zu fördern. Diese Position wird von den Kirchen in Baden-Württemberg in Gesprächen und Verhandlungen mit dem Kultusministerium und anderen staatlichen Stellen seit Wochen nachdrücklich vertreten. Darüber hinaus ist es jeder Bürgerin und jedem Bürger unbenommen, sich in geeigneter Weise dazu zu Wort zu melden. Dies darf allerdings nicht durch Hetzportale und diffamierende Blogeinträge geschehen.

OKR Werner Baur, Evangelisch Landeskirche in Württemberg OKR

Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht, Evangelische Landeskirche in Baden

Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr, Diözese Rottenburg-Stuttgart

Msgr. Dr. Axel Mehlmann, Domkapitular, Erzdiözese Freiburg

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