Altes Testament: Von David und den Propheten

Zerbe, Renate Maria: Altes Testament: Von David und den Propheten. Donauwörth 2014, 88 S.

Die Publikation von Renate Maria Zerbe enthält drei Unterrichtseinheiten zu König David und sieben Lernsequenzen zu Propheten des Alten Testaments für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 1–4.

Das Heft beginnt mit einem Vorwort über die Aufgaben und Notwendigkeit von Propheten damals und heute. Im ersten Kapitel werden alle in der Publikation berücksichtigten Propheten kurz vorgestellt: Jeremia, Samuel, Elija, Elischa, Jesaja, Jona und Daniel. Es folgt eine Zusammenstellung wichtiger Prophetenworte, aus denen deutlich wird, dass es diesen Sehern und Mahnern vor allem um die Einhaltung der Hauptgebote ging: Glaube an einen Gott, Wahrhaftigkeit und soziale Gerechtigkeit. In diesem Zusammenhang sind Lernimpulse zum Thema „Unrecht heute“ zusammengestellt, wobei es darum geht, diese Missstände aufmerksam wahrzunehmen und zu benennen. Auch wird thematisiert, durch welche fragwürdigen Dinge Menschen in unserer Zeit vom Glauben an Gott abgelenkt oder gar abgebracht werden.

Zu begrüßen ist, dass sowohl die warnende als auch die hoffnungsstiftende Funktion des Prophetentums deutlich gemacht wird, besonders bei Jeremia, Elija, Jesaja und Jona. Auch hebt die Autorin den Mut und das oft große soziale Engagement von damaligen sowie gegenwärtigen Prophetinnen und Propheten hervor: Sie waren nicht bereit, sich mit der herrschenden Not einfach abzufinden, sondern schritten mutig und engagiert dagegen ein. Insofern kann die Einheit auch dazu dienen, die Sensibilität der Kinder für die Notwendigkeit von Zivilcourage zu wecken und zu stärken.

Nach diesem Einleitungsteil geht die Autorin chronologisch vor: Auf Samuel folgen Elija, Jesaja, Jona und Daniel. Zurecht wird beim Propheten Samuel neben der Berufung im Tempel seine Erwählung und Salbung des künftigen Königs David in den Mittelpunkt gestellt („Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, Gott aber sieht das Herz.“) Hier wird, wie auch in anderen Kapiteln, die Empathie der Kinder angeregt und unterstützt, etwa durch Kurzformen des Kreativen Schreibens, in denen die Gefühle der Protagonisten im Mittelpunkt stehen. Weiterhin geht es darum, passende Adjektive zu finden oder aus einer Wortsammlung auszuwählen.

Im weiteren Verlauf werden entscheidende Ereignisse aus dem Leben Davids thematisiert: seine konfliktreiche Beziehung mit König Saul, die treue Freundschaft zu dessen Sohn Jonatan, sein Sieg in der Auseinandersetzung mit Goliat und die Eroberung Jerusalems. Dabei werden auch passende Verse aus einzelnen Psalmen zu existenziellen Erfahrungen Davids (Gottvertrauen, Verfolgung, Vergebung, Mut) in Beziehung gesetzt.

Bemerkenswert ist, dass auch Persönlichkeiten berücksichtigt werden, die ansonsten in Publikationen für die Grundschule nur selten vorkommen, wie etwa Salomo, Jesaja oder Daniel. Gut gelungen sind die Zusammenfassung zum Leben und Wirken der einzelnen Könige oder Propheten für Schülerinnen/Schüler und Lehrpersonen zu Beginn der einzelnen Kapitel (jeweils eine Seite). Ebenso gelingt der Gegenwartsbezug, etwa bei der Thematisierung von Sprichwörtern Salomos, die heute noch verwendet werden. Im Laufe der Lernsequenz ist zu erwarten, dass den Schülerinnen und Schülern immer deutlicher bewusst wird, welche Eigenschaften einen guten Propheten und einen gerechten, verlässlichen König auszeichnen.

Beim Kapitel über Elija ist die Gegenüberstellung seiner sehr unterschiedlichen Gotteserfahrungen auf dem Berg Karmel und dem Berg Horeb hervorzuheben. Im Zusammenhang mit Jesaja wird vor allem sein Aufruf zum Frieden thematisiert, verbunden mit der Vision des Propheten vom messianischen Reich. Von Jona kann gelernt werden, wie groß (und überraschend!) die Barmherzigkeit Gottes ist, Reue und Umkehr vorausgesetzt. Daniel schließlich erfährt, dass seine Treue zu Gott und den in Israel geltenden Geboten dazu führt, dass er nicht nur alle Gefahren unbeschadet übersteht, sondern sogar (ähnlich wie Josef in Ägypten) eine verantwortungsvolle Position übertragen bekommt. Die ausgewählten Episoden sind nicht nur spannend und von zentraler Bedeutung, sondern können auch Lebensmut vermitteln und die Kinder zu einem stärkeren Gottvertrauen motivieren.

Hilfreich sind die zahlreichen Hinweise der Autorin auf geeignete Kunstbilder und Lieder, wenn beides auch nicht in der Publikation selbst abgedruckt ist. Ein Würfelspiel am Ende und der Vorschlag für eine Lernzielkontrolle runden das Heft ab.

Wenn auch gestaltpädagogische Ansätze, wie etwa das Legen von Bodenbildern, etwas zu kurz kommen, weshalb die Lernimpulse eher für Kinder der Jahrgangsstufen 3 und 4 als der ersten beiden Schuljahre geeignet sind, so enthält das Heft doch viele Kopiervorlagen und Materialien, mit denen gewinnbringend im Unterricht gearbeitet werden kann, gerade auch im Zuge offener Lernformen oder zur Vertiefung zuvor behandelter Inhalte.

Weitere Informationen zur Publikation finden sich hier>>

Das Buch kann unter der Nr. 2150107 in der Mediathek Freiburg und in vielen der 16 Religionspädagogischen Medienstellen des Erzbistums Freiburg ausgeliehen werden.


Josef Gottschlich

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