Sternstunden Katholische Religion, Klasse 3 und 4

Zerbe, Renate Maria: Sternstunden Katholische Religion, Klasse 3 und 4. Besondere Ideen und Materialien zu den Kernthemen des Lehrplans. Donauwörth 2015, 72 S.

In ihrer neuesten Publikation (72 S.) hat die Autorin zehn in der Praxis erprobte Religionsstunden zusammengetragen, die bei Schülerinnen und Schüler besonders große Resonanz gefunden haben, unter anderem zu den Themen Maria besucht Elisabeth (Magnificat); Die Zehn Gebote; Ostern; Beten: mit Gott sprechen und Frieden – der Prophet Jesaja regt zum Nachdenken an.

Die Titel der übrigen Stunden lauten Das Kirchenjahr – ein bunter Strauß an Festen; Die Weltreligionen: ein Einstieg ins Judentum; Katholisch – Evangelisch: Gemeinsamkeiten und Unterschiede; Jesus begegnet uns in der Eucharistie und Israel – das Land der Bibel.

All diese Kapitel sind zweigeteilt. Zunächst werden auf je zwei Heftseiten Lehrerinformationen vermittelt: Besonderheiten der Stunde, Stundenziel, Feinziele/Kompetenzen, Voraussetzungen der Klasse, Medien/Material und Verlaufsplanung.

Danach folgen jeweils einige Seiten Arbeitsblätter und Kopiervorlagen für die Hand der Schülerinnen und Schüler: Wort-, Satz- oder Bildkarten, Arbeitsblätter mit Aufgabenstellungen, Zeichnungen, Informationskarten oder elementarisierte Nacherzählungen von Bibeltexten. Ein Kapitel mit Lösungen, auch zur Selbstkontrolle, schließt die Publikation ab.

Das Heft kann mit guten Gründen als eine der bisher besten Publikationen der Autorin gelten: Auch wenn im Vorspann der Stunden keine Teilkompetenzen ausgewiesen sind, erfüllen die Unterrichtsentwürfe voll und ganz die Kriterien eines kompetenz- und handlungsorientierten Religionsunterrichts. Den Schülerinnen und Schülern wird die Möglichkeit gegeben, sich die Lerninhalte zu den einzelnen Themen selbst zu erschließen, zumeist in Gruppenarbeit. Jede Stunde enthält mindestens einen Unterrichtsbaustein zur Differenzierung. Zudem sind die Methodenvielfalt und der Ideenreichtum überzeugend, z.B. bei den meist sehr motivierenden Einstiegen. Ihre Begabung, biblische Geschichten kindgemäß und lebendig wiederzugeben, stellt die Verfasserin einmal mehr unter Beweis; besonders gut ist ihr dies bei der Nacherzählung von Letztem Abendmahl und Fußwaschung am Gründonnerstag gelungen (S. 33).

Die erste Stunde der Publikation zum Magnificat („Meine Seele preist die Größe des Herrn“) füllt eine wichtige Lücke und bietet die Möglichkeit, auch diese wichtige vorweihnachtliche Begebenheit bereits in der Grundschule zu thematisieren. Mit den 48 Wortkarten auf S. 28f. lassen sich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der katholischen und evangelischen Konfession (S. 28f.) sehr gut und umfassend erarbeiten. Plausibel und gut umsetzbar sind die Anregungen und Ideen zum entdeckenden Lernen im Stundenentwurf zu den Festen des Kirchenjahres, denen z.B. in einem Bodenbild Gegenstände, passende Bilder oder Karten mit Kurzbeschreibungen zuzuordnen sind (S. 10f.). In der Stunde zum Judentum wird der Ursprung religiöser Realien (z.B. Gebetsriemen und Kippa) in kurzen, prägnanten Texten aus der Tora und dem Talmud deutlich, wodurch die Kinder auch den tieferen Sinn solcher Kleidungsvorschriften und Rituale verstehen können. Lediglich in der Erklärung zur Tora (S. 22) könnte noch etwas präziser erläutert werden, welchen Teil des Alten Testaments sie genau umfasst.

Gut gelungen ist auch die Bezugnahme auf das subjektive Befinden und die Lebenswirklichkeit der Kinder, etwa durch die Fragestellung: „Was ist mein Brot des Lebens?“ (S. 31) im Unterrichtsentwurf zur Eucharistie oder durch die Aufgabenkarten zu den Zehn Geboten (z.B.: „Überlegt, wann ein Sonntag für euch gelungen ist!“; „Was könntet ihr tun, damit es Euren Eltern gut geht?“). Zum sensiblen und anspruchsvollen Thema Gebet bietet die Autorin eine Meditationsübung an (S. 59), die ganz konkret bei den Lebenserfahrungen und Grundbefindlichkeiten der Kinder ansetzt und gerade deswegen hilfreich sein kann, um in Einzelarbeit eigene Gebetstexte zu formulieren. Auch die Auswahl kurzer Lob-, Bitt-, Dank- und Klagegebete, teilweise aus dem Buch der Psalmen, weiß zu überzeugen. Gut ist auch, dass den Schülerinnen und Schülern nach vielen der Stunden die Möglichkeit einer Rückmeldung gegeben wird (z.B. S. 65: „Es fiel mir leicht,…“; „Es war für mich etwas schwierig,…“) und die Kinder öfter die Möglichkeit haben, zwischen verschiedenen Arbeitsformen zu wählen (z.B. selbstgemaltes Bild, Collage oder 8er-Gedicht zum Thema „Frieden“, S. 67).

Im Vergleich zu diesen Vorzügen fallen die Schwächen der Publikation nur unwesentlich ins Gewicht: Es wird teilweise ein recht großes Vorwissen der Kinder vorausgesetzt (z.B. zu den religiösen Gruppierungen zur Zeit Jesu im Quiz über Israel, S. 38). Die meisten Unterrichtsentwürfe sind eher Doppel- als Einzelstunden, erfordern zumindest 60-75 Minuten, um auch langsameren Kindern genug Bearbeitungszeit zu geben. Manche der im Vorspann zur Stunde „Evangelisch – Katholisch“ erwähnten Kompetenzen (z.B. das Wissen um den Grund für diese Kirchenspaltung, S. 25) finden im bereitgestellten Unterrichtsmaterial keine Entsprechung. Einige Aufgaben sind möglicherweise zu anspruchsvoll, etwa die schriftliche Umformulierung des „Magnificat“, so dass es auch Erstklässlern verständlich wird. Auch sind manche Erklärungen sind nicht ganz stimmig; so etwa ist eine bloße Trennung vom Partner oder der Partnerin noch kein Ehebruch (S. 48). Leider kommen in den Unterrichtsentwürfen, auch in der Stunde zum Thema Gebet, nur sehr wenige Lieder und Musikstücke vor. Schließlich wäre es entlastend und für die Unterrichtsvorbereitung zeitsparend, wenn zumindest einige der in den Entwürfen verwendeten Kunstbilder (passend und geschmackvoll ausgewählt!) auch im Heft abgedruckt wären. Das empfohlene Osterbild „Herr, bleibe bei uns“ von Anton Rückel etwa ist im Internet nicht auffindbar.

Insgesamt aber kann festgehalten werden, dass die Publikation größtenteils einlöst, was ihr verheißungsvoller Titel „Sternstunden“ verspricht.

Josef Gottschlich

Weitere Informationen finden sich hier>>

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