Die besten Methoden für den Religionsunterricht

Kurt, Aline: Die besten Methoden für den Religionsunterricht. Praxisorientierte Ideen für die Grundschule. Mülheim: Verlag an der Ruhr, 2014, 136 S.

Die Verfasserin hat in dieser Publikation ein breites Kompendium an Methoden für den RU in der Grundschule zusammengestellt: Lesen und Schreiben, Vortragen und Zuhören, Gestalten, Arbeit mit Bildern, Darstellen, Musik und Tanz, Mediationen und Gebete, Spiele, sowie Sachbegegnung und Erleben.

Ganz bewusst verzichtet die Autorin darauf, mit längeren theoretischen Vorüberlegungen in die neun Kapitel oder gar jede einzelne der 75 dargebotenen Methoden einzuführen. Somit ist ihr Buch ein unangestrengt zu lesendes, sehr gut verständliches Kompendium. Ebenfalls positiv: die klare, stringente Gliederung. Am Beginn der neun Kapitel steht jeweils eine Übersichtstabelle, in der mögliche Ziele aufgeführt sind, die mit Hilfe der einzelnen Methoden erreichbar sind; eine ausdrückliche Bezugnahme auf Kompetenzorientierung fehlt jedoch. Weiterhin kann diesen Listen entnommen werden, für welche Unterrichtsphasen (Einstieg, Arbeitsphase, Reflexion und Abschluss) sich die jeweilige Methode eignet und welche Sozial- und Unterrichtsform (z.B. Stuhlkreis, Einzelarbeit) dafür benötigt wird. Im weiteren Verlauf ist dann jeder dargebotenen Methode ein grau eingefärbtes Informationsfeld mit möglichen Themenbereichen zu deren Einsatz, Zeitbedarf, Alter und Material vorangestellt. Die Artikel selbst sind in drei Abschnitte untergliedert: Vorbereitung, So geht’s und Tipp.

Für die Vorstellung und Erläuterung der einzelnen Methoden benötigt die Autorin mit ganz wenigen Ausnahmen nur eine Seite. Somit gelingt es ihr, komprimiert und ohne unnötig lange Ausführungen über die jeweiligen Vorgehensweisen zu informieren. Dennoch findet sie häufig Raum für hilfreiche Impulse oder konkrete Beispiele beim Einsatz der einzelnen Methoden, zum Beispiel des Placemats (S. 15), Bibliologs (S. 31), gelenkten Bildgesprächs (S. 54) oder einer Fragemeditation (S. 101).

Zu den Themen „Fantasiereise“ (S. 91), „Körpermeditation“ (S. 93) sowie „Dank- und Bittgebet“ (S. 105f.) stellt Aline Kurt auch längere eigene Texte zur Verfügung. Behilflich sind weiterhin ihre Zusammenstellungen zu Bewegungsimpulsen (S. 77, für die pantomimische Darstellung z.B. von Himmel, Erde, Frieden, Leben…) und die Auswahl geeigneter Werke aus dem Bereich der klassischen Musik für den Einsatz im RU der Grundschule (S. 83). Ebenfalls geeignet ist die Checkliste zur Vorbereitung und Durchführung außerschulischer Exkursionen (S. 122), wenngleich diese noch durch eine Zusammenstellung von Utensilien ergänzt werden könnte, die speziell bei der Erkundung einer Kirche hilfreiche Dienste leisten. Eine besonders schöne Idee ist das relativ unaufwändige Basteln kleiner biblischer Erzählfiguren aus preisgünstigen Materialien (S. 71f.) Wie bereits in anderen Publikationen erläutert Aline Kurt sachkundig und detailliert, wie die Lehrperson Knet (S. 41) und Farbe (S. 36; 43f.) selber herstellen kann – das spart nicht nur Geld, sondern ist auch ein Beitrag zum Umweltschutz.

Obwohl auch erfahrene Lehrkräfte sicher das eine oder andere ihnen noch nicht Bekannte entdecken werden, fehlt es der Sammlung dennoch etwas an innovativen Methoden. Weiterhin sind einige Arbeitsformen (z.B. Schreibgespräch, Bibliolog, Schreibmeditation, einen Rap dichten) für Schülerinnen und Schüler der Grundschule sehr anspruchsvoll und bedürfen zumindest einer ausführlichen Einübungsphase. Auch wären bei manchen Methoden Fotos oder Schaubilder zur Illustration und Verdeutlichung sinnvoll gewesen.Zum gemeinsamen Gebet ist noch der Hinweis zu ergänzen, dass lautes Mitbeten immer nur auf freiwilliger Basis geschehen sollte.

Ansonsten lässt Aline Kurt jedoch großes Einfühlungsvermögen erkennen, indem sie zum Beispiel immer wieder Hinweise für den Umgang mit sensiblen Kindern oder schwächeren Schülerinnen und Schülern gibt. Auch dienen viele der dargebotenen Methoden dem tieferen Verständnis biblischer Geschichten (z.B. soziometrische Darstellung, S. 69), der Einübung in Perspektivwechsel (z.B. Bibliodrama, S. 66f.) und der Aneignung sozialer Kompetenzen (vor allem die Spiele im Schlusskapitel).

Somit ist die Publikation für die Vorbereitung und Durchführung eines motivierenden und abwechslungsreichen Religionsunterrichts in jedem Fall hilfreich und eine wichtige Ergänzung zu den bereits vorhandenen Methodenbüchern für den Religionsunterricht der Grundschule.

Weitere Informationen finden sich hier.

Josef Gottschlich

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