Rolff, Hans-Günter (Hg): Handbuch Unterrichtsentwicklung. ISBN 978-3-407-83184-2.

In den letzten Jahren wurde viel Literatur zu der Frage „Was ist guter Unterricht?“ publiziert. Nur vereinzelt findet man hingegen Bücher, welche sich der Thematik Unterrichtsentwicklung bzw. Weiterentwicklung des Unterrichts widmen. Obgleich sich der Unterricht in den letzten Jahren permanent weiterentwickelt hat, ist er, Hans-Günter Rolff zufolge, in mancherlei Hinsicht noch nicht weit genug entwickelt: „Das zeigen die Schulinspektionen in Bezug auf Aktivierung und Selbststeuerung der Schülerinnen und Schüler, das zeigen die Statistiken in Bezug auf die Förderung von Kindern aus den sozialen Unterschichten (mit oder ohne Migrationshintergrund), und das zeigen die Zukunftsforderungen der globalen, digitalen Wissensgesellschaft“ (S.9).
Mit fast 40 Beiträgen von renommierten Autoren wie Rolf Arnold, Andreas Helmke, Johannes Bastian, Hilbert Meyer, Andreas Müller beschäftigt sich dieses Handbuch mit den Themen Unterrichtsentwicklung und Weiterentwicklung des Unterrichts. Diese werden aus insgesamt sechs unterschiedlichen Perspektiven betrachtet: (1) Grundlagen, Trends und Forschungsstand, (2) Analysen und Komponenten von Unterrichtsentwicklung, (3) Didaktische und methodische Konzepte, (4) Fachdidaktische Konzepte, (5) Ganzheitliche Konzepte und (6) Schul(System-)weite Unterrichtsentwicklung und Transfer.
Besonders erwähnenswert ist der Artikel von Ulrich Steffens und Dieter Höfer „Was aus Hatties Studien für den Unterricht folgt“. Hier werden Hatties zentrale Ergebnisse und daraus resultierende Folgerungen für den Unterricht vorgestellt (S. 209–224).
Wer sich als Lehrerin und Lehrer der Herausforderung stellt, den Unterricht zu reformieren, der wird zudem nicht umhin kommen, sich mit didaktischen und methodischen Konzepten auseinanderzusetzen. Andreas Helmke und Tuyet Helmke beschäftigen sich z.B. mit der Unterrichtsdiagnostik, die für sie Ausgangspunkt einer Unterrichtsentwicklung ist (S.242–257). Annemarie von den Groeben stellt unterschiedliche Schulen vor, die sich in Richtung Individualisierung entwickeln. Alle drei vorgestellten Schulen verfolgen das Ziel, allen Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, am Unterrichtsgeschehen teilhaben zu können, Freude am Lernen zu haben und individuell gute Leistungen zu erbringen. Dieser Beitrag ist sehr praxisnah, da er konkrete Umsetzungsmöglichkeiten nennt (S. 268–285). Andreas Müller geht in seinem Artikel „Kompetenzraster zeigen, was man kann – und können könnte“ zunächst auf den schillernden Begriff Individualisierung ein. Dies ist umso wichtiger, als dass der Begriff oft missverstanden wird: Es geht nicht um Einzelbeschulung, also nicht darum, für jede Schülerin und jeden Schüler Arbeitsmaterialien zu erstellen, sondern Arbeitsaufträge so verständlich zu konzipieren, dass jede und jeder Lernende aktiv mitarbeiten kann. Müller sieht im Ansatz der Autagogik (autos = selbst, aus eigener Kraft, und agein = führen) den Schlüssel für selbstkompetentes, selbstwirksames Lernen. Kompetenzraster dienen hierbei als Methode der Individualisierung und beschreiben, was die Schülerin und der Schüler können könnte (S.289). In Verbindung mit entsprechenden Checklisten und Lernaufträgen soll sich der Lernende aktiv mit der Unterrichtsthematik auseinandersetzen (S.286–300).
Die fachdidaktischen Konzepte im vierten Teil des Handbuches sind leider nur exemplarisch, so dass sie sich nicht auf alle Fächer und auch nicht auf den Religionsunterricht beziehen.
Der fünfte Teil beschäftigt sich mit ganzheitlichen Konzepten, und das letzte Kapitel setzt sich mit der Umsetzung von Innovationen in der Schule und zwischen den Schulen auseinander.
Fazit: Wer sich auf wissenschaftlichem Niveau mit den Themen Unterrichtsentwicklung und Weiterentwicklung des Unterrichts beschäftigen möchte, der bekommt dank des vorliegenden Handbuchs eine gute und schnelle Übersicht zum aktuellen Stand der Forschung. Da sich dieser Bereich jedoch kontinuierlich weiterentwickelt, darf nicht erwartet werden, dass mit den Beiträgen in diesem Handbuch alles abgedeckt wird. Diesen Anspruch hat der Herausgeber jedoch auch nicht.

Sonja Andruschak

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