Kleine Hände – großer Profit

Kleine Haende grosser Profit von Benjamin Puetter

Kleine Haende grosser Profit von Benjamin Puetter

Böhm, Dietmar; Pütter, Benjamin: Kleine Hände – großer Profit. Kinderarbeit – Welches ungeahnte Leid sich in unserer Warenwelt verbirgt. München 2017, 224 S., ab Kl. 4

Benjamin Pütter (59), Kinderrechtsaktivist aus dem Raum Freiburg, ist seit seinem 22. Lebensjahr bereits 80 Mal nach Indien gereist, um dort Kindern zu Hilfe zu kommen, die unter Missachtung ihrer Gesundheit sowie ihrer leiblichen und seelischen Grundbedürfnisse ausgebeutet werden: Sie arbeiten für einen Hungerlohn in Teppichfabriken, Steinbrüchen, bei der Schmuck-, Feuerwerks-, Zigaretten-, Räucherstäbchen- und Waffenproduktion sowie als Hausangestellte.

Oft dauert ihr Arbeitstag zwölf oder gar 14 Stunden ohne Pausen, Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Staubmasken oder Handschuhen werden ihnen meist verwehrt. Insbesondere die harte Arbeit im Steinbruch entspricht in keinster Weise ihrer Konstitution. Häufig aber sind Kinder trotzdem dazu gezwungen, weil die Löhne ihrer Eltern und älteren Geschwister nicht ausreichen, um den Lebensunterhalt der Familie zu bestreiten. In vielen Fällen wurden bereits ihre Großeltern oder Eltern bewusst in Schuldknechtschaft getrieben, sodass diese ihre Kinder an Menschenhändler verkaufen, weil sie keine andere Möglichkeit der Existenzsicherung sehen. Oft geschieht dies aber auch, weil diese Sklavenschlepper den Eltern falsche Versprechungen in Bezug auf Lohn der Kinder und deren spätere Berufschancen machen. Betroffen sind zumeist Kinder der niedrigsten Gesellschaftsschicht. Diese „Kastenlosen“ werden in Indien zumeist herablassend behandelt, weil dort noch immer der Glauben vorherrscht, sie hätten sich in ihrem vorherigen Leben etwas Gravierendes zuschulden kommen lassen.

Darüber hinaus betrügt man Konsumierende in Europa, insbesondere in Deutschland, über die wirklichen Produktionsbedingungen preisgünstiger Grabsteine oder Teppiche, indem ihnen mit falschen Siegeln vorgetäuscht wird, die betreffende Ware sei ohne Kinderarbeit hergestellt worden. Neben diesen Informationen erschrecken insbesondere Erfahrungsberichte über die erbarmungslose Behandlung vieler Kinder: Sie werden schon wegen kleinster Fehler oder Vergehen körperlich hart gezüchtigt, müssen bisweilen selbst bei schweren Verletzungen ohne ärztliche Behandlung weiter arbeiten, dürfen häufig nicht einmal während der Pausen etwas trinken und haben oft keine Chance, ihre Eltern jemals wiederzusehen. Mädchen werden zudem häufig auch sexuell missbraucht.

Um diesen Kindern zu helfen, legt Benjamin Pütter neben großem Engagement eine bemerkenswerte Risikobereitschaft an den Tag: Als Teppich- oder Grabsteinhändler getarnt, verhandelt er vor Ort mit den Eigentümern, während seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heimlich die Arbeitsbedingungen der Kinder in der jeweiligen Fabrik oder im betreffenden Steinbruch fotografieren und dokumentieren.

Da ausbeuterische und gesundheitsgefährdende Kinderarbeit in Indien gesetzlich verboten ist, konnte Pütter im Lauf der Jahre zahlreiche Verbündete vor Ort, etwa Beamte und Angestellte indischer Behörden gewinnen. Diese unterstützen ihn und seine Helferinnen und Helfer aus Deutschland dabei, Kinder aus Fabriken und Steinbrüchen zu befreien sowie ihnen neben dem Besuch einer Schule häufig auch die Rückkehr zu ihren Familien zu ermöglichen. Die Autoren beschreiben eindrücklich, wie sorgfältig eine solche Rettungsaktion geplant werden muss und dass bereits der geringste Fehler nicht nur die Minderjährigen, sondern auch beteiligte Kinderrechtsaktivistinnen und -aktivisten in größte Gefahr bringt. Auch verschweigen sie misslungene Befreiungsversuche nicht. Umso hoffnungsvoller sind jedoch die Erfahrungsberichte über gerettete Kinder, die nach dem meist halbjährigen Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum eine Regelschule besuchten, eine Berufsausbildung absolvierten und mittlerweile häufig in verantwortungsvollen Positionen, etwa als Ärztin oder Bürgermeister, tätig sind.

Wohl am wichtigsten aber sind die von Pütter initiierten Maßnahmen zur langfristig wirksamen Bekämpfung illegaler Kinderarbeit in Indien. So verweist er auf die beiden verlässlichen Siegel XertifiX und Fair Stone und nennt im zehnten Kapitel (S. 197–208) Hilfsmaßnahmen, bei denen zum Teil auch schon Grundschulkinder mitwirken können: den Verkauf bemalter Kieselsteine, das Putzen von Schuhen auf einem Wochenmarkt, die Veranstaltung von Eine-Welt-Tagen (z.B. im Rahmen eines Schulfestes) oder ein Sponsorenlauf in Kooperation mehrerer Bildungseinrichtungen. Wer mithilfe einer solchen oder ähnlichen Aktion Spendengelder gesammelt hat, kann zu deren Weiterleitung an Rehabilitationszentren in Indien hier>>> mit dem Autor Kontakt aufnehmen.

Das Buch kann im Medienportal der Mediathek Freiburg und vielen der 16 Religionspädagogischen Medienstellen der Erzdiözese Freiburg ausgeliehen werden.

Nähere Hinweise finden sich hier>>>.

Josef Gottschlich

 

 

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