Credo. Wissen, was man glaubt

Bordat, Josef: Credo. Wissen, was man glaubt. Rückersdorf: Lepanto 2016, 168 S.

Der Autor, Publizist, christlicher Existenzphilosoph und überzeugter Katholik, hat ein sehr fundiertes und zugleich gut verständliches Buch zum apostolischen Glaubensbekenntnis geschrieben. Im schulischen Kontext ist die Publikation nicht nur für Religionslehrerinnen und -lehrer zur Vertiefung ihres Glaubenswissens geeignet, sondern, in Auszügen, auch für den Religionsunterricht in Realschule und Gymnasium ab der neunten Klassenstufe.

Bevor Josef Bordat die einzelnen Sätze des Credo kommentiert, weist er auf dessen Zusammenhang mit grundlegenden religiösen Fragen hin: „Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wer sind wir?“ (S. 7). Dann entfaltet er, wie wichtig positive Glaubensaussagen sind, damit eine Religion im Allgemeinen und das Christentum im Besonderen orientierungsstiftend und handlungsleitend sein kann, auch Kraft zu geben vermag, schwere Lebenskrisen möglichst unbeschadet zu überstehen (S. 10f).

Hierzu müsse, so Bordat, das Christentum jedoch auch seine Unabhängigkeit gegenüber Wirtschaft, Recht, Wissenschaft und Politik wahren, um sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Obwohl gerade die Naturwissenschaft höchst beachtliche und anerkennenswerte Fortschritte gemacht habe (vgl. S. 18), sei sie doch ergänzungsbedürftig, denn sie könne weder die Frage nach dem Wesen noch nach dem Sinn der von ihr untersuchten Lebewesen und Gegenstände beantworten.

In kritischer Abgrenzung zu Friedrich Nietzsches Christentumskritik hebt der Autor hervor, dass eher noch als die Ethik des Christentums das gläubige Vertrauen in einen liebenden Gott für diese Weltreligion wesentlich und entscheidend sei, zumal nach dessen Menschwerdung in Jesus Christus. Auf S. 46–48 verteidigt der Autor dann aber auch die christliche Ethik und stellt ihre Aktualität heraus, indem er plausibel darlegt, dass es letztlich keine vernünftige Alternative dazu gibt, Konflikte ausdauernd durchzustehen und, nach dem Vorbild Jesu, gewaltfrei zu bewältigen.

Darüber hinaus weist Bordat in Anknüpfung an den christlichen Existenzphilosophen Peter Wust darauf hin, dass es sich beim Glauben immer auch um ein Wagnis handelt, gerade, weil er unter Umständen auch zu großen, persönlichen Nachteilen führen kann, bis hin zur Gefahr für Leib und Leben und, bei allem Glaubenswissen, dennoch keine letzten Sicherheiten zu geben vermag:  Trotz aller christlicher Offenbarungswahrheiten, die im Credo zu einer Art „Summenformel“ zusammengestellt sind, bleibe Gott letztlich für uns unbegreiflich

(vgl. S. 30).

Der Einleitungsteil schließt mit einem der bedenkenswertesten Zitate des Buches: „Sowohl die zaudernde Indifferenz einer oberflächlichen Skepsis als auch die überhebliche Verabsolutierung der religiösen Selbsterfahrung müssen im Glauben überwunden werden, damit es ein fester, vernünftiger, ein guter Glaube ist.“ (S. 33)

Gerade zur Vermeidung dieser beiden Extreme sind die Glaubenssätze des Credo sehr hilfreich und sinnvoll: Sie wecken Zuversicht und schützen den Glauben vor subjektiver Beliebigkeit. Zudem lassen sie erkennen, dass Glaube und Vernunft in hohem Maße einander entsprechen können: als „geweitete Vernunft“ (S. 29).

Deutlich wird beides besonders im Hauptteil des Buches, in welchem der Autor die einzelnen Sätze des Credo erläutert (S. 45–136). In Bezug auf Gott wird sein Vater- und Muttersein genannt. Gerade diese „Elternschaft“, besonders hervorgehoben im Gleichnis vom barmherzigen Vater (Lukas 15,11–32), zeige seine Haltung gegenüber dem Menschen am eindeutigsten (S. 54f.). Zur Allmacht Gottes thematisiert Josef Bordat auch die Theodizeefrage und verweist in Anknüpfung an Hans Jonas‘ Publikation „Der Gottesbegriff nach Auschwitz“ (1984) darauf, dass Gott seine Allmacht radikal einschränkte, indem er sich, in Jesus Christus, freiwillig ohnmächtig gemacht habe: „Er [Gott] ist so unendlich mächtig, dass er sich die größte denkbare Ohnmacht leisten kann: von der eigenen Schöpfung abgelehnt, zum Verbrecher erklärt und hingerichtet zu werden“ (S. 64). Dass Gott trotz seiner Allmacht und Güte auch das Böse zugelassen habe, sei, so Bordat in Anknüpfung an Gottfried Wilhelm Leibniz, ein Zugeständnis an die Freiheit des Menschen und insofern Ausweis seiner Güte. (S. 58) Zu Gott als Schöpfer betont Bordat mit Blick auf Meister Eckhart und Thomas von Aquin zweierlei: Gott ist nicht der zeitlich-kausale Ursprung der Welt, sondern ihr, selber außerhalb von Raum und Zeit stehender, Seinsgrund (S. 67f). Zudem habe er dem Menschen mit dessen Erschaffung Anteil am „Kern“ seines Wesens gegeben und ihn somit mit Seele, Vernunft und Gewissen beschenkt (S. 73, vgl. auch S. 8). Darüber hinaus verhalte sich Gott „sowohl in Differenz als auch in Einheit zur Welt“ (S. 78, Hv. d. V.) und begleite seine Schöpfung in einem langen Entfaltungsprozess, weswegen auch monotheistische Schöpfungstheologie und Evolutionstheorie aufeinander bezogen werden können, anstatt nur voneinander abgegrenzt zu werden (S. 75–81). Gleichzeitig grenzt sich Bordat eindeutig vom Pantheismus ab, indem er in Anknüpfung an die christliche Mystik betont, dass Gotterfahrung letztlich nur „im Schweigen und unter Aufgabe aller Gegenständlichkeit“ (S. 80) möglich sei.

Zu Jesus Christus stellt Josef Bordat fest, dass wir über keine antike Persönlichkeit der Religion und Philosophie so viel Wissen hätten wie über ihn und verweist in diesem Zusammenhang auf derzeit über 18.000 erhältliche Jesus-Publikationen (S. 80). Besonders stellt der Autor die sieben „Ich bin“-Worte des Johannes-Evangeliums heraus, mit denen Jesus sich in zutreffendster Weise selbst charakterisiert habe (S. 82f). Schon im Einleitungsteil des Buches hatte Bordat angedeutet, was er hier näher entfaltet: Jesus selbst war und ist die Antwort auf alle existenziellen Fragen von Christinnen und Christen: wegen der vollkommenen Übereinstimmung von Reden und Tun in seiner Person und aufgrund seiner in der Tat grenzenlosen Liebe bis zur völligen Selbsthingabe am Karfreitag. Nichts fordert er von uns, was er nicht auch selbst getragen hat und bereit war, auf sich zu nehmen: „Er ist das, was er lehrt“ (S. 84, vgl. auch S. 47–49). In diesem Zusammenhang sei auch die entscheidende Bedeutung seiner engsten Verwandten, insbesondere von Maria, zu verstehen: „Wenn Jesus auch als Mensch frei von Sünde war, dann brauchte er in seinem Wachsen und Werden als Mensch eine Umgebung, die ebenfalls (weitgehend) frei von Sünde blieb. (…) Das verlangte [vor allem] eine besondere Gestimmtheit Marias“ (S. 86).

Im weiteren Verlauf betont Josef Bordat die Auferstehung Jesu „in sichtbarer Leiblichkeit“ (S. 96) zurecht als herausragendes Heilsereignis und Ursprung des Christentums, ohne das Jesus inzwischen wohl ähnlich in Vergessenheit geraten sei wie viele andere seinerzeit hingerichtete Wanderprediger. Gerade die Bereitschaft vieler, für den christlichen Glauben ihr Leben zu riskieren, sei, als „Wahrheit, für die es sich zu sterben lohnt“ (S. 97) das ernstzunehmendste Indiz für die Faktizität der Auferstehung Jesu.

Zu Christus als Weltenrichter am Ende der Zeit zitiert der Autor zunächst Matthäus 25,31-46 und führt folgerichtig aus, dass der Mensch letztlich selbst über sein Heil entscheide. Habe er anderen Barmherzigkeit erwiesen, werde er mit Gottes bleibender Nähe beschenkt. Bei fortwährender „totale[r] Empathieverweigerung“ (S. 109) und völlig fehlender Einsicht in dieses Scheitern drohe ihm jedoch auch der endgültige Heilsausschluss (S. 105). Diese Ausführungen stehen in spannungsvoller Wechselbeziehung zur christlichen Hoffnung auf Allerlösung, zumindest ganz am Ende der Zeiten (vgl. z.B: Hoping,Helmut/Tück, Jan-Heiner: Streitfall Christologie. Vergewisserungen nach der Shoa. Freiburg 2005), unterstreichen aber auch, dass niemand befürchten müsse, im Gericht von Gott nicht ernst genommen zu werden. (S. 106–109).

Zum Heiligen Geist verweist Josef Bordat zum einen auf dessen Unverfügbarkeit und Mannigfaltigkeit (Gottesatem, Windhauch, Brausen, Sturm – vgl. S. 110), zum anderen erläutert er die in Jesaja 11,2 erstmals erwähnten sechs Geistesgaben: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Gottesfurcht, ergänzt durch die Frömmigkeit (S. 111–114). Besonders wichtig ist dem Autor der bleibende Beistand des Heiligen Geistes (S. 115), gerade als Wegweiser für die Kirche (S. 119f). Diese zeichne sich, so Bordat im anschließenden Kapitel, als, auch ökumenische, Glaubensgemeinschaft (insbesondere der Heiligen und großen Vorbilder, S. 116), als von Jesus gestiftete Institution und durch ihre Sakralbauten aus (S. 122). Dass er sich persönlich in der katholischen Kirche „angenommen, aufgehoben“ und äußerst wohl fühle (S. 135), gibt Josef Bordat unumwunden zu – eine wohl entscheidende Voraussetzung für frohe Glaubenszuversicht.

Zur Vergebung der Sünden betont der Autor einerseits die Notwendigkeit der Reue, anderseits des Vertrauens darauf, auch in Schuld und Not in Gottes Barmherzigkeit geborgen zu sein (S. 124f). In Bezug auf das ewige Leben erinnert Bordat daran, dass irdisches Leben letztlich nur durch seine Begrenztheit sinnvoll sei (S. 131) und das Leben nach dem Tod sich vor allem durch die Erfahrung von Geborgenheit und Liebe auszeichne.

Der Schlussteil des Buches (S. 136–164) ist ein Plädoyer für die Notwendigkeit von

(Glaubens-)Überzeugungen (S. 141), Religionsfreiheit als öffentlicher Ausübung von Religion (S. 149) und das Recht auf Mission, gerade in Anknüpfung an Matthäus 28,19. Wichtig hierbei seien jedoch deren erzählend-unaufdringlicher Charakter, „Friedfertigkeit, Sanftmut, Bedürfnislosigkeit und Toleranz“ auch für das „Nein“ des Anderen (S. 154, vgl. Mt 10,5-14). Zwangstaufen hingegen seien eindeutige Menschenrechtsverletzungen, in der Geschichte meist politisch, nicht religiös motiviert gewesen und von kirchlichen Amtsträgern fast durchweg abgelehnt worden (S. 154). Zudem macht Bordat darauf aufmerksam, dass viele der heutigen Missionarinnen und Missionare vorwiegend in der Entwicklungshilfe, also durch tätige Nächstenliebe, aktiv sind.

Religionsfreiheit als Freiheit von Religion, oft sogar in Verbindung mit Missionsverbot (auch in einem Teil der vorwiegend vom Islam geprägten Staaten) weist der Autor entschieden als zu einseitig zurück und sieht diese Grundausrichtung in engem Zusammenhang mit der heute vielleicht größten Gefahr für den christlichen Glauben: dem rein materialistischen Menschenbild des homo oeconomicus. Gerade hier zeigt sich die zeitlose Gültigkeit der Aussage Jesu in Mt 6,24c: „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“

Nicht nur die eher leicht verständlichen Glaubenssätze des Credo, sondern auch dessen theologisch komplexere Aspekte erläutert Bordat in seinem Buch klar, überzeugend und – vor allem – ermutigend. Gerade Letzteres ist nicht zu unterschätzen, besonders in religionspädagogischer Hinsicht.

Das Buch kann im Medienportal der Mediathek Freiburg und einigen der 16 Religionspädagogischen Medienstellen des Erzbistums Freiburg entliehen werden.

Weitere Informationen finden sich hier>>>.

 Josef Gottschlich

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